Ein paar Zeilen der Lehmener Geschichte
Bereits vor 900 Jahren feierte der kleine Untermoselort ein Weinfest
"Mit Schüssel und Licht zum Hof" - so erklang der Ausruf des Boten des Trierer Domkapitels bei Lehmen im Jahr 1016. Denn es war etwas Besonderes geschehen. Der Erzbischof Poppo von Trier (Amtszeit 1016 bis 1047) hatte den Hof bei Lehmen aus den Händen des Diakon Adalbero wiedererlangt und sogleich an das Domkapitel verschenkt.
Das Domkapitel sollte von nun an, vom Hof zu Lehmen, 62 Ohm (etwa 8680 Liter) Wein jedes Jahr erhalten. Außer in schlechten Jahren, in diesen sollte der Bote des Domkapitels die Menge festlegen, die zu entrichten sei. Der Transport erfolgte auf Schiffen des Hofes, die von den Lehmenern beladen wurden. Dies geschah immer dann, wenn der neue Wein gekeltert wurde.
Das Weinfest war geboren
Jeder Lehmener mußte eine Schüssel, ein anderes Gefäß und ein Licht zu diesem Anlaß mitbringen. Denn man feierte dieses Ereignis jedes Jahr aufs neue: Das Weinfest in Lehmen war geboren und fand von nun ab immer an der Mosel statt, vor den Schiffen, die den Wein flußaufwärts nach Trier bringen sollten.
Man feierte dort bis spät in die Nacht und verlud anschließend die 62 Ohm, die sich in 31 Fässern befanden, in die Boote, die sodann von den Hofleuten nach Trier geschifft wurden.
Dort angelangt erhielten sie vom Domkapitel kleine Geschenke für sich und die anderen Lehmener. Die Schiffe brachen danach sogleich auf, um diese zurück an die Untermosel nach Lehmen zu bringen, wo sie unter den Zurückgebliebenen bei ihrer Ankunft verteilt wurden.
Von Karl-Josef Spitz
Schlummern unter Lehmen weitere Schätze ?
Von Karl-Josef Spitz
Am 5. August 1916 fand man in Lehmen, im heutigen Bauabschnitt "In der Persch" (direkt hinter der Burg Weckbecker), sechs spätrömische Skelettgräber aus der Zeit um 350 n. Chr. Diese Gräber wurden von Arbeitern beim Rigolen (Umgraben) des Geländes durch Zufall entdeckt. In jenen Gräbern fand man als Grabbeigaben einen großen rötlichen einhenkeligen Tonkrug mit weißem Tupfenfries, zwei Sigillataschüsseln, einen Sigillatateller, drei dicke rohe Tonteller und einen hohen farblosen Glasbecher.
Die archäologischen Funde wurden damals ins Bürgermeisteramt zu Münstermaifeld gebracht, wo sie schon bald in Vergessenheit gerieten.
Gräber aus 6. Jahrhundert
Aber schon früher gab es in Lehmen höchst interessante archäologische Funde, die in den Erinnerungen der Lehmener verlorengingen. So wurde bereits 1865 bei der alten Kirche (etwa 300 Meter von der oben erwähnten Fundstelle entfernt) mehrere Gräber aus dem sechsten Jahrhundert entdeckt; sie enthielten unter anderem Waffen und Urnen aus dieser Zeit.
Das bemerkenswerteste Fundstück, das damals entdeckt wurde, war jedoch der Grabstein des Diakon Deodatus. Ein anderes Stück, das in Lehmen gefunden wurde, ist ein bronzener Schlüsselgriff, der einen aus einem Blattkelch herauswachsenden Vorderkörper eines Hundes mit Häschen unter den Vorderpfoten darstellt und 8,5 Zentimeter lang ist.
Im Landesmuseum aufbewahrt
Diese beiden Objekte werden im Landesmuseum aufbewahrt. Aber damit nicht genug, 1926 wurde auf dem Grundstück W. Greys in Lehmen ein fränkisches Kindergrab, von Schieferbruchsteinen umstellt, aufgedeckt, das ebenfalls aus dem sechsten Jahrhundert n. Chr. stammte. 1960 hingegen entdeckte man auf dem Grundstück P. Nickenichs eine Hallstatt-Wohngrube aus der Zeit um 1250 v. Chr.! In dieser entdeckte man mehrere Gefäßscherben. Aus dem Zeitabschnitt um 500 v. Chr. stammt ein Griffdornmesser mit geschwungener Klinge, das 1962 beim Bau der Staustufe im Schotterkörper gefunden wurde.
Daß Lehmen über so viele archäologisch interessante Gebiete verfügt, ist vielen Lehmenern nicht bewußt. Die "Fundgebiete" wurden jetzt zur Bebauung freigegeben. Früher verlief hier die Straße vom alten Bauernhof des Stifts zu Münstermaifeld nach Münstermaifeld.
Statt Krach gab`s Wein und Weck
Von Karl - Josef Spitz
1766 fand ein Krach zwischen Lehmen und Oberfell ein " Happy - End "
Wie man einen Streit zwischen Dörfern über die gemeinsame Nutzung von Grund und Boden (heute würde man es Gewerbegebiet nennen ) schlichten kann , zeigt eine kleine Episode von der Untermosel .
Am 21 . und 22 . November 1766 kam es in Oberfell zu einem Treffen
zwischen Abordnungen der Dörfer Lehmen und Oberfell unter Leitung
des kurfürstlichen Vogtes Michael Zirwas . Zweck dieser Zusammenkunft
war es , die dauernden Streitigkeiten über die gemeinsame Verwaltung des Waldes
auf der rechten Moselseite ( Oberfeller Seite ) zu beenden .
So kam es daß der Bürgermeister von Lehmen , Hubert Ebertz , mit vier Geschworenen aus Lehmen
und der Bürgermeister von Oberfell , Martin Bock , mit fünf Geschworenen aus
Oberfell an einem Tisch saßen . Als Protokollführer fungierte der Stadtschreiber
Canaris von Münstermaifeld . Dem kurfürstlichen Vogt gelang es , am ersten
Tag eine Einigung über die Winterweide und über ein gemeinsames Grenz- und
Schäferhaus herbeizuführen . Außerdem waren beide Parteien mit der Anstellung
eines gemeinsamen Schäfers einverstanden . Somit blieb nur noch ein einziger Streitpunkt
übrig , der wohl der Hauptgrund für die ganze Aufregung war , nämlich die
an den Escherau angrenzende Wiese .
Der Bürgermeister von Oberfell wollte diese für Oberfell allein haben , die Lehmener
Seite wollte hingegen eine weitere Teilnutzung wie bisher . Man stritt sich
hitzig bis spät in die Nacht , und auch am nächsten Tag war keine Einigung
in Sicht .
Als letzten Ausweg , bevor es zu Handgreiflichkeiten kam , schlug der kurfürstliche
Vogt vor , daß Oberfell eine jährliche Pacht von zehn Trierischen Florin an Lehmen
entrichten solle . Nach einigem Hin und Her über die Höhe der Pacht einigte man sich
schließlich friedlich auf eben diese zehn Florin , die 20 Jahre lang jeweils am Sankt Martinstag
entrichtet werden sollten .
Nachdem der Protokollführer dies festgehalten hatte und alle Beteidigten unterzeichnet
hatten , setzte man sich , da es schon wieder Abend war , bei einigen Gläsern Wein zusammen
um den Abschluß der Streitigkeiten zu feiern .
Irgendwann an diesem Abend kam man dann auf die Idee , den Betrag statt in Florin
in Wein zu entrichten ( was zur damaligen Zeit 140 Liter waren ) , und der Lehmener
Bürgermeister erklärte sich bereit , eine entsprechende Anzahl an Weck beizusteuern ,
so daß man ein großes gemeinsames Sankt Martinsfest feiern könnte , auf dem man dann
beides verzehren würde . Gesagt , getan .
So kam es , daß die Pacht auch in den kommenden Jahren in Form von Wein entrichtet
wurde , mit jeweiligem Sankt Martinsfest in Lehmen .
Autor , Karl - Josef Spitz
Bookmark Buttons
|